Keine Auffälligkeiten….

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Moinsen liebe Leser,

wie bereits mehrfach angekündigt wollte ich ja in die Dolomiten und ich war es auch. Ursprünglich war es ja mal die Idee den Stoneman Hike Dolomiti zu absolvieren. Das ist ein 55km langer Lauf mit 3000hm durch die Dolomiten. Wir Ihr ja gelesen habt, habe ich ein neues Sportgerät. Ein Rennrad. Schnell kam die Idee auf , dass man das ja auch mitnehmen könnte, denn es gibt auch den Stoneman Road Dolomiti. Das ist eine 193 km lange Rennradstrecke mit 4700 Höhenmetern über sieben Pässe der Dolomiten.  Anstifter dieser ganzen Idee war mein bester Kumpel Olli. Das ist der gleiche Kerl, der auch mit mir den Marathon durchgezogen hat. Wir waren bestens ausgestattet für den Hike und auch für den Road. Das Hotel in Niederdorf – Italien war gebucht und am 07.September ging es abends los 1200 km mit dem Auto Richtung Italien.

Am Freitag in der Früh waren wir da. Völlig übermüdet sind wir sofort zum Stoneman Info Caravan gefahren und haben unsere Startunterlagen abgeholt. Da wartete schon die erste Enttäuschung auf uns. Wir erzählten Roland Stauder, dem Initiator der Stoneman Reihe, das wir beides machen wollen. Am Samstag den Road und am Sonntag den Hike. Zuvor in seinen Emails hatte er schon angekündigt, dass es schlechtes Wetter geben wird und ob wir nicht schieben könnten. Die Vorhersage für den Sonntag war vernichtend. Es waren 50L/ m² Regen angesagt und die Schneefallgrenze sollte auch fallen. Da jetzt am Anreisetag gutes Wetter war kam kurz die Idee auf eins von beiden sofort jetzt schon zu erledigen, aber es wäre aufgrund unser Müdigkeit unvernünftig gewesen.

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Stoneman Info Point

Wir haben uns nur die Startunterlagen für den Stoneman Road geholt, weil klar war das wir nur in der Reihenfolge, erst Road dann Hike starten, weil das Radfahren nicht ganz so in die Beine geht. Wir legten den Hike also erstmal auf Eis. Startunterlagen unterm Arm und ab Richtung Hotel. Dort angekommen, konnten wir nicht sofort ins Zimmer und haben erstmal unsere Renner präpariert. Als die Rennräder fertig waren sind wir aufs Zimmer, aber pennen konnten wir auch nicht und somit siegte der Bewegungsdrang. Zack Sportklamotte an und ab ins Auto Richtung 3 Zinnen. Wenn wir den Hike schon nicht machen konnten, wollten wir wenigstens ein wenig Trailrunning machen. Das Panorama war umwerfend.

 

Anschließend sind wir zurück zum Hotel, untern Strahl gesprungen und anschließend sind wir noch was essen gegangen. Wir gingen früh ins Bett, denn der Wecker war auf 04:00 Uhr morgens gestellt. Um 5 Uhr wollten wir loslegen die 7 Dolomitenpässe zu bezwingen. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet. Bis dato hatte ich 800km auf meinem Rennrad im Flachland zurückgelegt. Wir haben Höhenmeter im dicken Gang an ner Eisenbahnbrücke hier in der Nähe trainiert. Als wir den ersten Pass erklommen hatten war es bereits hell. Der war nicht ganz so spektakulär, also gleich weiter zum Passo Falzarego.

 

Es gab 5 Stoneman Checkpoints, wo man sein Armband abstempeln musste. Die waren natürlich immer auf den Gipfeln, damit man nicht schummeln kann. Der Passo Falzarego war der 2.te Pass und der erste Checkpoint.  Danach folgte der Passo di Giau. Das war meiner Meinung nach der schlimmste und ich war kurz davor abzubrechen. Es waren 12 % Steigung zu schaffen und ich merkte, dass ich mich ggf. übernommen habe mit dem Vorhaben. Der eiserne Wille hat mich da hochgetrieben. Kurz vorm Gipfel ging meine Garmin plötzlich in den Pause Modus. Man bewegte sich im 1.Gang im Wiegetritt mit 7km/h. Wenn man aufgehört hat zu treten ist man sofort rückwärts gerollt. Ich musste was trinken und kam in genau dieser Situation nicht aus meiner Bindung raus und legte mich akkurat aufs Maul. Naja nix passiert. Kurz was getrunken und weiter. Das Mistding hat verloren… FU Passo di Giau

 

Mein Lachen war verschwunden wie man sehen kann. Dort oben war es Arschkalt und wir mussten schnell weiter. Nach ner rasanten Abfahrt sind wir im Cortina d`Ampezzo was essen gegangen. Auf dem nachfolgenden Bild kann man sehen, dass ich eigentlich schon „Auf“ war. Feddich mit Jack und Büx 🙂

 

Nach einem Espresso, zwei Pizza Margherita und ner Cola ging es weiter Richtung Passo Tre Croci und gleich danach kam das Monster der Tour mit bis zu 21% Steigung Tre Cime de Lavaredo. Der Tre Croci war schon ein Hammer Ding und der Tre Cime fing lau an mit einer kurzen flachen Etappe, aber er entpuppte sich als echtes Monster. Ich hatte krämpfe in den Oberschenkeln die sich nur durch hochdosiertes Salz und viel Flüssigkeit wieder entspannten. Insgesamt habe ich auf der Tour 9 Liter getrunken und auch alles wieder ausgeschwitzt.

 

Jetzt hieß es 40km Bergab mit Geschwindigkeiten bis zu 85 km/h. Das war der absolute Hammer. Wir waren glücklich und ich brauche neue Bremsbeläge für`s Rennrad. 130km lagen hinter uns und wir dachten wir haben das Schwierigste geschafft, aber fleutschepiepen. Der Passo Antonio gab mir fast den Rest. Ich musste mehrmals anhalten und mir nochmal alles durch den Kopf gehen lassen. Ich habe mich und meinen Körper noch niemals in einer solchen Ausnahmesituation erlebt, aber ich wollte nicht aufgeben. Auch dieser Pass wurde letztlich bezwungen und wir machten uns auf zum letzten Pass. Der Kreuzbergpass war dann nicht mehr ganz so schlimm, aber man merkte eindeutig, dass man schon 6 Pässe in den Beinen hatte.

 

Jetzt kam nur noch eine Abfahrt und wir haben den Stoneman Info Point pünktlich nach knapp 10,5 Stunden im Sattel erreicht und somit den Stoneman Road innerhalb von einem Tag absolviert. Schafft man den Stoneman in einem Tag gibt es Gold, in zwei Tagen Silber, in 3 Tagen Bronze. Gold war die einzige Option.

 

Wir waren sehr sehr stolz auf uns und dieser Erfahrung kann uns keiner niemand mehr nehmen. Selbst Roland Stauder war beeindruckt, als ich Ihm später erzählte wie wir trainiert haben und das ich erst seit dem Juli ein Rennrad besitze. Roland ist ehemaliger Weltcup Sieger auf dem Mountainbike. Das war schon ein Ritterschlag für uns zwei Flachlandtiroler….

Zum Schluss meiner Geschichte möchte ich Euch noch eine Video von mir zeigen, was ich oben auf dem Tre Cime aufgenommen habe. Egal wie schwierig Euch was vorkommt, gebt niemals auf um euer Ziel zu erreichen. Wer nicht kämpft hat schon verloren.

Danke Olli, dass Du sowas mit mir machst. Die bist der beste Macker den man als Freund haben kann und das war nicht unser letztes Abenteuer…

Um es mal wieder ganz kurz zu machen…Alles unauffällig… was folgt ist ein Bericht über mein letztes Abenteuer…